14. März 2023

Besser bauen im Team

Die Bauleiter Cosmas Ruppel und Nico Kocher von der Anderegg Partner AG geben Einblick in ihre Herangehensweise und erzählen, was dazugehört, um eine Baustelle wie die an der Kasparstrasse am Laufen zu halten.

Anderegg Partner ist für die Bauleitung an der Kasparstrasse verantwortlich – eine grosse Aufgabe. Wie organisiert ihr euch?

Cosmas Ruppel (CR): Wir werden bald zu dritt an diesem Projekt arbeiten, damit wir uns die Arbeitsbereiche aufteilen können. Sven Müller, der nun auch bald dazustösst, wird für das Thema Gebäudehülle zuständig sein, Nico Kocher kümmert sich um all die anderen Arbeitsbereiche und ich führe als Hauptverantwortlicher die Fäden zusammen, achte auf die Kosten und führe die Kommunikation mit den anderen Planern.

Wie viel Prozent eurer Wochenarbeitszeit nimmt die Kasparstrasse in Anspruch?

Nico Kocher (NK): Bei mir ist das Projekt eine Vollzeitaufgabe (lacht). Die örtliche Bauleitung für ein Projekt dieser Grösse ist sehr zeitintensiv. CR: Bei mir sind es etwa 40-60 Prozent, im Laufe der Bauarbeiten wird das fluktuieren. Bei Sven Müller bewegt sich die Arbeitslast in einem ähnlichen Pensum wie bei mir. Gesamthaft haben wir 200% Stellenprozente gerechnet.

Cosmas Ruppel koordiniert die Kommunikation mit den anderen Planern.

Was ist im Moment für euch die grösste Herausforderung?

NK: Die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Arbeitspakete ist anspruchsvoll. Die Baustelleninstallation und der Gerüstbau sind jetzt abgeschlossen. Im Moment werden die Provisorien für Wasser und Strom fertiggestellt, der Baumeister nimmt die vorbereitenden Abbrucharbeiten vor und entfernt noch letzte Möblierungen. Dahinter folgen die Schadstoffsanierung und dann der Restabbruch. Nächste Woche geht es bereits los mit den Kernbohrungen und den ersten Installationen. Dann kommt die Fassade hinzu. Im Moment sind rund zehn bis zwölf Unternehmen beteiligt.

 CR: Wir arbeiten von oben nach unten, immer in Paketen von drei Stockwerken, das gibt die Struktur des Gebäudes vor. Dies hat zur Folge, dass irgendwann in den oberen Stockwerken bereits der Innenausbau läuft und man unten noch an groben Arbeiten des Rohbaus ist. Diese Parallelität müssen wir in der Planung abbilden und unter Kontrolle halten.

Hat euch etwas überrascht?

CR: Es ist ein Umbauprojekt, da gibt es immer Überraschungen (lacht). Man muss auf das reagieren, was man vorfindet. Was das genau ist, weiss man aber erst, wenn man es freigelegt hat. Manche Wohnungen befanden sich zum Beispiel nicht mehr im Normzustand, sondern waren in der Vergangenheit bereits einmal renoviert worden und hatten Abrieb an den Wänden statt Tapete. Solche Erkenntnisse müssen wir Stück für Stück in die Planung einfliessen lassen. Dasselbe gilt etwa auch für Leitungen, die anders gebaut worden waren, als im Plan verzeichnet. Unsere Aufgabe ist es, dies laufend nachzuführen.

Was auffällt: Es steht kein Kran auf der Baustelle.

NK: Genau, das hat mit der Belastungsbeschränkung der Einstellhalle auf 16 Tonnen zu tun. Die Einstellhalle liegt unter dem Platz, der für die Baustellenzufahrt überfahren werden muss. Wegen der Gewichtsbeschränkung können wir keinen Baukran auf den Platz stellen, sondern arbeiten ausschliesslich mit Gerüstliften. Sämtliche Anlieferungen und Abtransporte müssen deshalb immer in kleine Portionen aufgeteilt werden. Solche lokalen Gegebenheiten machen einen Bau ja immer auch spannend.

Was freut euch besonders?

NK: Das Engagement der Unternehmen. Wir sind mittlerweile der Planung voraus. Einige Unternehmer hatten Ressourcen und haben uns angefragt, ob sie bereits früher als geplant anfangen können. Man spürt auch den Respekt, den sie vor dieser Grossbaustelle haben. Es ist schön, dass wir vorausarbeiten können und nicht mit Verspätungen kämpfen. CR: Auch die Monoblöcke, die wir für die Lüftung benötigen, sind bereits eingetroffen und wir können sie noch gar nicht brauchen (lacht). Es passiert auch nicht jeden Tag, das wir vor solch angenehmen Herausforderungen stehen.

Beim Gang über die Baustelle fällt die gute, fröhliche Stimmung unter den Arbeitern auf. Habt ihr darauf als Bauleiter einen Einfluss?

CR: Auf jeden Fall. Das gehört zu unserer Philosophie als Unternehmen. Uns ist wichtig, dass wir alle als Team arbeiten und am selben Strang ziehen. Eine Baustelle in der Grösse wie an der Kasparstrasse kann man gar nicht bis ins letzte Detail kontrollieren, wir sind deshalb auf die Selbstverantwortung und die Leidenschaft der einzelnen Gewerke angewiesen und das geht nur, wenn die Stimmung gut ist. Wir fördern das Gespräch zwischen den Unternehmern und untereinander. Unser Ziel ist, dass wir alle zusammen das Projekt zum Laufen bringen. Wenn neue Gewerke dazu kommen, steckt das auch an.

 Die Baustelle als Teamleistung also?

CR: Genau. Das Bauprogramm gibt die Idee und spurt die Richtung vor, wie ein Regieskript. Aber das Theater auf der Bühne läuft so, wie die Interaktionen der Beteiligten das ergeben. Wir helfen und lenken, indem wir die richtigen Signale geben.

Nico Kocher hat die örtliche Bauleitung inne.

Die Anderegg Partner AG mit Sitz in Basel, Bellach, Bern und Zürich ist im Autrag der reinardpartner Architekten und Planer AG für die Bauleitung der Sanierung an der Kasparstrasse 15 verantwortlich und ist in den Bereichen Planung, Beratung und Organisation im Bauwesen, beim Lösen von komplexen Aufgaben sowie in der Gesamtprojektleitung tätig.

andereggpartner.ch